Christian Geissler Gesellschaft

Neues, Anderes, Nicht-Vergangenes

Kopfstand, Madam!

 Programmheft

„Tabu Nr. 1: Ehebruch!“, so titelt die Nr. 7541 der „Illustrierten Film-Bühne“ (siehe Abb.)über diesen Kino-Film des Regisseurs Christian Rischert, für den Christian Geissler (unter Mitwirkung Alfred Neven DuMonts und Christian Rischerts) das Drehbuch geschrieben hat. Die Hauptrollen spielten Miriam Spoerri, Herbert Fleischmann und Heinz Bennent. Prädikat: “Besonders wertvoll”!

„Der gewagteste Film der jungen deutschen Welle!“, heißt es weiter. Das klingt nach Sensation, und doch sieht sich der Film mit heutigen Augen ganz und gar unspektakulär. Im Zentrum steht Karin, eine selbstbewusste Frau, die den Rollenerwartungen entsprechend mit der Heirat ihren guten Job aufgibt und ganz für ihren Mann Robert und die Familie da ist. Mit einem befreundeten Paar teilen sie ein Bootshaus, an dem sie die Wochenenden verbringen: Die Männer angeln gemeinsam, die Frauen sprechen über Mode und üben auf dem Bootssteg Tanzschritte ein – eine heile Welt, die mit metaphorisch aufgeladenen Bildern und auch Witz die Geschlechterverhältnisse der Zeit aufspießen.

Unter der Oberfläche brodelt es. Karin fühlt sich unterfordert, will eigene Erfahrungen sammeln, wieder arbeiten. Sie lässt Robert das spüren, es knistert von Beginn des Films an zwischen den beiden. Doch Robert ist der Mann – er bestimmt, wo es langgeht. Und Karin sucht Auswege, hat eine Affäre mit einem anderem. Doch so verlockend der Ausbruch für sie ist, so sehr er die Hoffnung auf ein anderes Leben, eine andere Frauenrolle schürt, so hart ist der Absturz. Denn auch der “Lover” ist ganz Mann seiner Zeit und zeigt ihr die Grenzen. Er verweist sie zurück in die Ehe.

So ist Karin ein Glied in einer Kette von Frauenfiguren der Zeit, die Christian Geissler in durchaus unterschiedlichen Nuancierungen zeichnet: Renate Ahlers aus dem Fernsehspiel „Wilhelmsburger Freitag“, an dessen Stoff Geissler im Roman „Kalte Zeiten“ weitergearbeitet hat und das in der HR-Produktion “Altersgenossen” eine Art Fortsetzung gefunden hat, aber auch an die Hauptfigur in dem von Rolf Busch inszenierten Fernsehspiel „Immer nur Fahrstuhl ist blöde“.

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