Christian Geissler Gesellschaft

Neues, Anderes, Nicht-Vergangenes

Konkret über “Wird Zeit, dass wir leben”

Im auch sonst sehr lesenswerten September-Heft der Zeitschrift Konkret bespricht Thomas Schäfer Geisslers Roman “Wird Zeit, dass wir leben”.

In seiner Besprechung heißt es unter anderem:

«Es ist etwas ungerecht, ausgerechnet den Dichter Krischan Pietsch zu zitieren, eine Figur, mit der es ihr Schöpfer Christian Geissler nicht gut meint, ist Pietsch doch ein ängstlicher undopportunistischer Salonlinker. Doch etwas vondessen ‹schön fein hoch rausgedachtem› Stil eignet auch der Sprache Geisslers, einer stark rhythmisierten, assoziativen Kunstsprache: ‹Schlosser stand stur und klar, den Mund schräghoch gegen das Wasser, das Herz gegen Hexenglück,los, ran, ‘hört mal zu’, nämlich Klassenfront durch die verschiedenen Schichten.› (…)
Geissler schildert vor allem die Konflike innerhalb der Hamburger Kommunisten Ende der Weimarer Republik: auf der einen Seite der ‹Parteiarbeiter› Schlosser, der sich loyal den ‹Leitungsbeschlüssen› fügt, auf der anderen Seite jene, die zu ‹provokativen Einzelaktionen› neigen, das heißt auch zur Gewalt, und deren anarchischer Lebenshaltung eindeutig Geisslers Sympathie gehört: ‹Wird Zeit, daß wir leben› ist nicht zuletzt eine programmatische Losung, die auf das Klima Mitte der Siebziger verweist, nichts Geringerem nachforscht als dem Sinn dieses Lebens und beharrlich fragt: ‹Aber dein Sterben, wann fängt das an?›»

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