Christian Geissler Gesellschaft

Neues, Anderes, Nicht-Vergangenes

Jahresgabe 2020 – Christian Geissler und die Dortmunder Gruppe 61

Wie wird Arbeit in der Literatur behandelt? Gar nicht – so lautete Anfang der 1960er Jahre der überwiegende Befund, und das wollte die Dortmunder Gruppe 61 für Literatur der Arbeitswelt dringend ändern. Und Christian Geissler hatte ein Fernsehspiel zum Altag eines jungen Arbeiterpaares geschrieben („Wilhelmsburger Freitag“) und entwickelte daraus die Erzählung „Kalte Zeiten“.
Was lag näher, als dass Fritz Hüser, einer der Initiatoren der Gruppe 61, an Geissler schrieb. Der ergriff die Gelegenheit beim Schopf und besuchte die Frühjahrstagung der Gruppe 61 in Dortmund, um aus dem Manuskript der Erzählung zu lesen: Würde sie bei den Arbeitern ankommen? Was würden sie dazu sagen?

Hanneliese Palm, ehem. Leiterin des Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, erzählt in der Einleitung unserer Jahresgabe, wie es zur Begegnung „Geissler – Gruppe 61“ gekommen ist und was daraus wurde. Erstaunlich aus heutiger Perspektive ist die Resonanz der Presse auf die Dortmunder Lesung. Eine witzige, aber vielleicht typische Episode am Rande: Im zeitlichen Kontext der Tagung fand auch eine gemeinsame Lesung des DDR-Schriftstellers Erik Neutsch und Geisslers statt. Auch hier berichtete die Presse, wenn auch knapp. Die eine Zeitung titelte ihre Notiz: „Zwei Bestseller-Autoen aus der Zone eingeladen“, die andere „Literatur der Sowjetzone“. Bestseller-Autoren waren beide, nur Geissler war eben einer aus Hamburg. Wers nicht glaubt: Hanneliese Palm hat die Archive durchforstet und neben anderen Dokumenten zeigen wir auch diese beiden Zeitungsschnipsel!

So weit die Einleitung. Im Hauptteil drucken wir zwei Texte Christian Geisslers aus diesem Kontext. Eine etwas skurrile Szene eines nie gedrehten Filmprojekts und – wer hätte das gedacht – das Nachwort zu Günter Wallraffs „Industriereportagen“. Keiner hat die Wahrnehmung von Arbeitswelt so geprägt wie Wallraff mit seinen Reportagen, die erstmals 1966 erschienen sind. Geissler war damals ein Star des linken Literaturbetriebs – mit seinem guten Namen und seinem Nachwort sollte er helfen, das Buch zu einem Erfolg zu machen. Das hat mit der ersten Auflage und den Lizenzausgaben in der DDR so gut funktioniert (Wallraffs Texte waren natürlich auch nicht schlecht :-)), dass die „Industriereportagen“ als rororo-Taschenbuch millionenfach verkauft wurde. Nur, dass Geisslers Nachwort in der TB-Ausgabe fehlte. Wir tragen es quasi nach …

Die Jahresgabe 2020 im Format 13,5 x 19,7 cm hat 48 Seiten.
Man kann sie gerne hier bestellen: info@christian-geissler.net

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