Christian Geissler Gesellschaft

Neues, Anderes, Nicht-Vergangenes

Die Christian Geissler Gesellschaft / Vorstand

„Anfrage“ nannte Christian Geissler (1928 – 2008) seinen ersten Romans (1960), in dem er konkret nach individueller Verantwortung und Schuld der Väter in der Zeit des Nationalsozialismus fragt und damit – von Ralph Giordano und Marcel Reich-Ranicki hoch gelobt, vom Deutschen Ostdienst des Bundes der Vertriebenen mit einer Anzeige wegen Landesverrats bedroht – in der westdeutschen Literatur Neuland betrat. In der Folge entwickelte sich der in Hamburg geborene Schriftsteller, Dokumentarfilmer und Lyriker zum Chronisten der linken, widerständigen Bewegungen und Strömungen der Bundesrepublik („Das Brot mit der Feile“ /1973, „kamalatta“ /1988) und verband in seinen letzten Büchern („Wildwechsel mit Gleisanschluss“ / 1996 und „Ein Kind essen“ / 2001) die historischen Erfahrungen des Nationalsozialismus mit der restaurativen Gegenwart der Bundesrepublik. Seine Figuren und Stoffe hat er stets aus der unmittelbar erlebten Realität entwickelt, seine eigenwillige und lyrische Sprache bricht aber mit der Tradition eines abbildenden Realismus. Geissler schafft, auf Augenhöhe mit seinen Figuren, eine neue Wirklichkeit, seine Sprache gibt dem vielfältigen Wir eines bedrohten Lebens und des Widerstands von unten einen Klang. Ihr Rhythmus, ihre Atemlosigkeit vermittelt die Lust am Diskutieren und Streiten, aber auch am Handeln und am Erzählen selbst.

Im Frühjahr 2012 hat sich die Christian-Geissler-Gesellschaft gegründet. Ihre Mitglieder sind davon überzeugt, dass sein Werk für die literarische und politische Debatte auch heute noch von einiger Bedeutung ist, sie finden, dass es Vergnügen bereitet, es zu lesen. Die Gesellschaft setzt sich deshalb vor allem dafür ein, dass Christian Geisslers Werk wieder zugänglich wird und will eine öffentliche Debatte über Geisslers Leben und Werk fördern. Die Neuausgabe von Geisslers Werk erscheint im Verbrecher Verlag, sie startet im Jahr im Sommer 2013 mit dem Roman „Wird Zeit, dass wir leben“. Der Nachlass des Autors befindet sich seit 2010 im Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund. Die Gesellschaft hat sich auch zum Ziel gesetzt, das Institut bei der Erschließung zu unterstützen.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben den SchriftstellerInnen Dietmar Dath, Doris Gercke, Sabine Peters und Michael Wildenhain der Historiker Prof. Dr. Georg Fülberth, Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein und private Freunde des Autors sowie die Fritz-Hüser-Gesellschaft in Dortmund.

Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender: Detlef Grumbach
2. Vorsitzender: Dr. Oliver Tolmein
Schriftführerin: Doris Gercke
Kassierer: Michael Hunger

Kassenprüfer ist Michael Banos

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