Christian Geissler Gesellschaft

Neues, Anderes, Nicht-Vergangenes

Arbeitstagung in Berlin: Schlusswort und erstes Resümee

Wir haben noch einen Augenblick Zeit für ein Schlusswort zu dieser Tagung, zu einer Verabschiedung, die eigentlich eine Begrüßung sein müsste.

Ich möchte mich noch einmal bedanken. Ich hatte in meiner Begrüßung gesagt, dass die Initiative zu dieser Tagung ausgegangen ist vom Literaturforum hier im Brecht-Haus, wo wir jetzt auch sitzen. Im Vorhinein haben wir uns bedankt und den Gedanken aufgegriffen. Im Nachhinein, am Ende dieser Tagung, muss dieser Dank ein Ausrufezeichen bekommen und unterstrichen werden. Ich danke auch der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die die Tagung finanziell ermöglicht haben, Kollegen von der Technik, die uns hier mit betreut haben, ich danke dem Projektleiter Michael Wildenhain, der hier vieles im Hintergrund geregelt und organisiert hat, und ich danke vor allen Dingen den Referentinnen und Referenten.

[Und das schreibt die Junge Welt!]

Wir waren eine relativ zufällige Mischung von Vortragenden, die sich auf unser Call-for-Paper und persönliche Ansprache hin. Wir haben hier Referate gehört von Leuten, die ein Stück des Weges mit Christian Geissler gegangen sind, die mit ihm zusammengearbeitet oder auch gelebt haben, die sich vor langer Zeit schon mit ihm beschäftigt haben: Sabine Peters mit ihrer eindrücklichen Tour d’horizon durch das Werk von Geissler, Didi Danquart und Ulrich Lampen, die Film und Hörspiele mit ihm realisiert haben oder Helmut Peitsch, Sven Kramer, die sich schon vor 20, 30 Jahren mit ihm beschäftigt haben – Kramer hat 1994 seine Dissertation über Geissler eingereicht. Wir haben ganz neue, frische, junge Blickwinkel auf Geissler kennengelernt. Wir haben Kolleginnen und Kollegen gehört, die nicht mit dem Werk durch die Zeitgeschichte gegangen sind und deren Blick auf das Werk nicht biografisch verknüpft ist. Die eigene politische Biografie und die Leseerfahrung kleben ja aneinander fest; wenn man „kamalatta“ 1988 gelesen hat, ist das etwas anderes, als wenn man „kamalatta“ heute zum ersten Mal in die Hand nimmt und sich mit dem Werk auseinandersetzt. So haben wir von Britta Caspers, Peter Ellenbruch, Ingo Meyer und Jan Decker Blickwinkel, Anregungen, Fragestellungen, Aspekte vernommen, die neu waren und auch produktiv waren. So haben auch jene, die sich bei Geissler gut auskennen, hier Neues erfahren. Ich persönlich habe auf dieser Tagung viel gelernt und gehe mit vielen Anregungen nach Hause. Vor allen Dingen habe ich aber die wichtige und schöne Erfahrung gemacht, dass es aus dem Hier und Heute des Jahres 2016 interessante Zugänge zu dem Werk Christian Geisslers gibt, dass es sich lohnt, sich mit ihm zu beschäftigen. Es ist ja der Sinn und Zweck der 2012 gegründeten Christian-Geissler-Gesellschaft, eine solche Beschäftigung mit dem Werk auf den Weg zu bringen. Deshalb habe ich eingangs gesagt, diese Verabschiedung müsse eigentlich eine Begrüßung sein. Ich begrüße Sie im Namen des Literaturforums im Brecht-Haus und der Christian-Geissler-Gesellschaft zu einem neu in Gang kommenden Prozess der Beschäftigung mit dem Werk Christian Geisslers. Dabei wünsche ich uns allen viel Vergnügen und hoffe, dass dabei weiterhin neue Impulse herauskommen.

Einen Vorgeschmack darauf hat auch gestern Abend hier die Podiumsdiskussion hier gegeben. Wir hatten drei Koryphäen hier zu Gast – Helmut Böttiger, Didi Danquart und Dietmar Dath, und für die Lesung aus „Das Brot mit der Feile“ Robert Stadlober. Da kann es passieren, dass jeder für sich auftritt, hoppla, hier komme ich und dies und das habe ich hier zu sagen. Oder es kann passieren, was gestern passiert ist, dass die unterschiedlichen Aspekte sich aufeinander beziehen, dass die Koryphäen aus unterschiedlichen Perspektiven in ein echtes Gespräch eintreten. Auch das werte ich als ein gutes Zeichen für die Zukunft – dieser Austausch der Positionen. Der hat vielleicht aber auch etwas mit diesem Werk zu tun, das den Dirkurs geradezu herausfordert.

In diesem Sinn möchte ich mich zuletzt noch bei den Gästen bedanken, die nichts zu der Tagung beigetragen als ihr Interesse an dem Werk, die von Freitagmorgen bis Samstagmittag mit ihrem Interesse, auch den Fragen und Einwürfen den Resonanzboden gebildet haben, der zur Substanz einer solchen Tagung unbedingt dazugehört. Danke!

(Detlef Grumbach)

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